Sehr geehrter Herr Geisel,

dass man, um Aufsehen zu erregen, im Wahlkampf auf ungewöhnliche Ideen kommt, ist nichts Außergewöhnliches. Dass Sie sich dabei aber hinreißen lassen, für Ihre Wahlkampagne den Rapper Farid Bang auszuwählen, macht mich fassungslos.

Farid Bang erwarb seine Bekanntheit dadurch, dass seine Texte auf viele Menschen antisemitisch und frauenfeindlich wirken. Auch Ihnen dürften die Hintergründe von Farid Bang bekannt sein. 2018 wurden Kollegah und Farid Bang für das Album „Jung Brutal, Gutaussehend 3“ für einen Echo nominiert. Während der Preisverleihung wurden sie von Campino (Die Toten Hosen) wegen einer antisemitischen Textzeile kritisiert. Darauf schaltete sich der Ethik-Beirat des Echos ein und prüfte die Nominierung. Resultat: Die jährliche Preisverleihung wurde abgeschafft. Das Album wurde von der BPjM indiziert. Nun wollen Sie, Herr Geisel, diesen Rapper allen Ernstes einsetzen, um Jugendliche mit Migrationshintergrund zu bewegen, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten. Respektlosigkeit soll Respekt hervorrufen? Welch absurde Vorstellung.

Sehr geehrter Herr Geisel,

Demokraten sollten sich nicht in eine Reihe mit Farid Bang stellen. Ihr Verhalten empört mich. Sie werten diesen Rapper auf und verschaffen ihm Aufmerksamkeit. Herr Geisel, „Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet.“ (Matthias Claudius)

Leider muss ich, und viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer bestätigen mir das, feststellen, dass sich die Menschen in der Altstadt, am Rheinufer und auch in einigen Stadtteilen immer unsicherer fühlen. Immer häufiger treten Gruppen von meist jungen Männern respektlos und provozierend in Erscheinung. Dadurch fühlen sich andere Menschen in ihrer Freiheit und Sicherheit bedrängt.

Ich sehe hier eine erhebliche Gefährdung unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Bei diesen Problemen tauchen Sie leider ab, Herr Geisel. Als Oberbürgermeisterin würde ich gemeinsam mit den Ordnungskräften und der Polizei denjenigen, die sich nicht an die Regeln eines zivilisierten respektvollen Umgangs miteinander halten, die Kraft des Rechtsstaats entgegensetzen. Parallel hierzu würde ich mit Fachleuten neue Programme entwickeln, wie man diese Menschen in unsere freiheitliche Gesellschaft integrieren kann. Ihr gemeinsamer Auftritt mit Farid Bang unterstützt aber gerade die Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen.

Das, Herr Geisel, finde ich beschämend. Sie beschädigen das Ansehen unserer Stadt über Deutschlands Grenzen hinaus, und Sie konterkarieren als politisches Vorbild das Engagement vieler Düsseldorferinnen und Düsseldorfer, die ihren Kindern zu Hause, in der Schule und in der Freizeit, Respekt und Anstand und ein soziales Miteinander beizubringen sich tagtäglich bemühen. Ich fordere Sie deshalb auf, Ihr Verhalten zu überdenken.

Wenn Sie weiter meinen, alles richtig gemacht zu haben, könnte als Konsequenz ja auch Ihr Entschluss stehen, nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters anzutreten.